Montag, 7. November 2016

Yogyakarta und Tempel

Den Abschluss meiner Semesterpause bildete die Universitätsstadt Yogyakarta (oder Jogja von den Einheimischen genannt) im Zentrum Javas. Jogja ist auch kulturell gesehen das Zentrum Javas und birgt viele interessante Sehenswürdigkeiten. Normalerweise sagt man ja der Weg ist das Ziel. Naja ich hab definitiv den falschen Weg genommen. Von Probolinggo hierher sind es ca 12h mit dem Minibus für knapp 370km wohlgemerkt. Die Strassenverhältnisse sind nicht die Besten und daher ist es eine eher mühsame Fahrt. Hinzukommt dass die Sitze im Bus vielleicht vor 10 Jahren mal gemütlich waren und daher hatte ich durchaus schon mal angenehmere 12h erlebt. Es ist ja nicht so, dass man hätte einen Sitzplatz in der ersten Klassse im Zug buchen können. Naja das verbuchen wir auch mal unter lehrreichen Erfahrungen für die Zukunft. Ich hab wieder in einem Homestay geschlafen und das war vom Standard und Preis-Leistungsverhältnis mit das Beste, was ich auf all meinen Reisen bisher erlebt habe. Kaum Angekommen bin ich durch die bekannte Shoppingstraße die Maliboro Street (fast wie die Zigarettenmarke) gelaufen. Dort bin ich dann einem älteren Mann in eine Kunstgallerie gefolgt und habe sogar eine kleine Einführung in die Kunst des Batik Zeichnen bekommen. Naja aber dazu sollte man erstmal zeichnen können. Auf jeden Fall waren die Bilder schon beeindruckend und relativ aufwändig in der Herstellung, wurde alles doch mit Wachs überzogen und nochmal in Wasser gebadet.

Endlich angekommen. Klar ist mein Summerbreeze Beutel immer am Start.








Nach einer endlich mal wieder längeren Nacht wollte ich die Stadt ein bisschen erkunden. Dazu bin ich zuerst in den Kraton, den Sultanspalast von Jogja gegangen. Erwähnenswert ist dabei noch, dass Jogja ein eigenständiges Sultanat darstellt und ähnlich wie Hamburg oder Bremen eine Sonderstellung innerhalb Indonesiens einnimmt. Innerhalb des Palastes sieht man sowohl buddhistische, hinduistische und islamische Verzierungen, was die verschiedenen Einflüsse auf die javanesische Kultur widerspiegeln.













Vor dem Kraton befindet sich der Alun-Alun Selatan ("südlicher Dorfplatz") und dort stehen zwei große alte Bäume nebeneinander. Wenn man es der Legende nach schafft mit verbundenen Augen durch die Bäume durchzulaufen hat man einen Wunsch frei. Gar nicht so einfach wenn man bedenkt dass es gut 100m sind und man ständig Nebengeräusche versucht auszublenden. Auf jeden Fall war das eine witzige Sache und ich habe es gerade so geschafft als plötzlich eine Stimme "Hati hati" (Vorsicht bzw. Achtung) gerufen hat, da ich um ein Haar gegen den Pfosten gelaufen wäre. Zur Belohnung gab es Mittagessen, wobei ich nicht weiß, ob es dazu nötig gewesen wäre, zwischen den Bäumen durch zu laufen.


Nach dieser Stärkung ging es weiter in den Taman Sari oder Wasserpalast. Dieser diente dem Sultan als Harem und ist wirklich beeindruckend. Es gibt hier sogar ein unterirdisches Tunnelsystem, das man besichtigen kann. Hier haben wir zwei coole Jungs aus Jogja getroffen, die uns dann mit ihren Rollern zu einer echt coolen Erfahrung mitgenommen hatten.










Und zwar zu einem Angkringan Restaurant einer Jogja Spezialität. Hierbei hat man verschiedenes Essen zur Auswahl, welches man sich roh auf den Teller legt und dann dem freundlichen Koch abgibt, der es dann für einen auf den Grill legt. Dabei gibt es viele für uns ungewöhnlche Sachen wie Hühnerhaut, -füße oder auch gleich den gesamten Kopf. Die Leute essen hier einfach jedes Körperteil von dem Hühnchen. Ich habe einfach mal von allem probiert und war begeistert. Danach haben wir noch ein Foto mit dem Tugu-Jogja Monument gemacht um unsere Liebe zu der Stadt auszudrücken. Gemäß der hiesigen Tradition sind wir somit jederzeit willkommen und versprechen auch irgendwann zurückzukehren. Unser Ziel für den Abend war die  Universitas Gadjah Mada oder kurz UGM, da ein großes Festival hier stattfinden sollte. Es war ein Wettbewerb bei dem 15 gegeneinander antraten und den Zuschauern Tänze und Gesangseinlagen präsentierten. Diese wurden dann von einer Jury bewertet und der Sieger wurde danach ausgerufen. Die Show hat mir sehr gut gefallen und besonders die aufwändig gestalteten Kostüme der Akteure hat mir einen tiefen Einblick in die Kultur gegeben.









Am nächsten Tag haben wir uns einen Roller gemietet und sind zur größten Hindu-Tempelanlage Indonesiens gefahren, dem im 9.Jahrhundert erbauten UNESCO-Weltkulturerbe Prambanan. Die Anlage ist riesig und es ist nicht nur ein einziger Tempel, sondern bestimmt über 200 Einzeltempel. Die drei Haupttempel sind Shiva dem Zerstörer, Vishnu dem Bewahrer und Brahma dem Schöpfer gewidmet. Wie sind diese Tempel überhaupt entstanden? Auch darüber rankt sich eine Legende. Und zwar soll der Prinz Bandung Bondowoso die Absicht gehabt haben die Prinzessin des benachbarten Königreiches Roro Jonggrang zu heiraten. Diese setzte als Bedingung jedoch, dass der Prinz ihr 1000 Tempel in einer Nacht bauen solle. Mithilfe von Dämonen schaffte er 999 Tempel zu errichten und als die Prinzessin das sah, entfachte sie ein Feuer, sodass die Dämonen dachten der Tag würde anbrechen und daraufhin verschwanden. Zur Strafe verwandelte der Prinz die schöne Roro Jonggrang in den Tausendsten und zugleich schönsten aller Tempel. Klingt doch ganz plausibel würde ich sagen. Die Tempelanlage ist wirklich sehenswert und besonders der Vulkan Merapi im Hintergrund sorgt für ein besonders schönes Panorama. Übrigens gilt Merapi als einer der gefährlichsten Vulkane der Welt und nur der Mangel an Zeit hat verhindert, dass ich diesen noch bestiegen habe. Aber so hab ich schon mal einen Grund zurückzukommen.
Der schönste Tempel meiner Meinung nach ist der Candi (indonesisch für Tempel) Sewu, der relativ leicht erkennbar ist durch die zwei Wächter am Eingang.













Borobudur das zweite UNESCO-Weltkulturerbe habe ich dann einen Tag später erkundet. Die Fahrt dahin dauert ungefähr eine Stunde und man wird belohnt durch eine wunderschöne Landschaft mit den für Java typischen Reisterassen. Borobudur ist einer der größten buddhistischen Tempel weltweit und im Gegensatz zu Prambanan gibt es hier "nur" einen Tempel, der dafür aber umso größer und beeindruckender ist. Der Tempel ist in 3 Ebenen entsprechend der buddhistischen Kosmologie aufgebaut: Die Basisebene trägt den Namen Kamadhatu, der Welt der Begierde. Dies ist die unterste Stufe und zwar die Sinneswelt der Menschen. Der zweite Bereich ist die Welt der Formen oder Rupadhatu. Hier sucht die physische Existenz nach höheren Werten und meditiert über den tieferen Sinn des Lebens. Diese Ebene besteht aus den Terassen zwei bis fünf und man kann Reliefs über das Leben des Siddharta Gautama (Buddha) finden. Arupadhatu oder auch die Welt der Formlosigkeit sind dann die 3 runden Terassen ganz oben. Hier gibt es keine Mauern oder Reliefs mehr, nichts was den Blick verstellen kann. Die Seele ist hier frei und wird von nichts irdischem mehr behindert. 
Diese Infos habe ich aus dem Faltblatt, welches man am Eingang bekommt. Dank der Infos habe ich besonders auf die Reliefs und die Geschichten dahinter geachtet und so werden auch die 6 verschiedenen Haltungen der meditierenden Buddhas beschrieben.
Achja ich habe ja schon mal was von den Schulklassen und ihren Projekten erzählt. In beiden Tempeln habe ich wirklich Rekorde gebrochen und hab für so viele Fotos posiert, sodass ich an beiden Tagen auf eine dreistellige Zahl komme (konservativ geschätzt). Das war zwar ganz witzig, hat meinen Aufenthalt aber durchaus in die Länge gezogen. Von den Schülern wurde ich sogar noch interviewt und ich musste auch zahlreiche Zettel signieren.

















Am Abend waren wir nochmal beim Alun Alun Platz (der mit den zwei großen Bäumen) und haben uns nochmal unter die Leute gemischt. Was einem sofort auffällt sind die leuchtenden Fahrzeuge in denen man eine Runde um den Platz fahren kann. Das ist was typisch asiatisches und würde in Europa wohl nicht so gut ankommen denke ich.

 
Aber das soll es jetzt auch gewesen sein von meinem Bericht über meinen Urlaub in Indonesien. Insgesamt war es eine super Zeit und wenn man im Hinterkopf hat, dass 99% der Taxifahrer oder sonst am Tourismus beteiligten Menschen einen viel höheren Preis als angemessen fordern und du dementsprechend handeln musst und man auch sonst seinen gesunden Menschenverstand einsetzt, überwiegen doch die positiven Erfahrungen. Eine gute Zeit euch und bis bald.
Euer Philipp.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen